Interview mit Direktorin Dr. Maria Katharina Moser

Seit dem 1. September 2018
gibt es in der Diakonie Österreich eine neue Direktorin.
Ihr Name ist Frau Mag. Dr. Maria Katharina Moser.
Sie ist die Nachfolgerin von Herrn Michael Chalupka,
der von 1994 bis August 2018 Direktor gewesen ist.

Wir haben Frau Direktorin Moser Fragen gestellt:

Frage von Frau Vatier:
Wie wird man Direktorin der Diakonie?
Gibt es eine Zeit wie lange man Direktorin der Diakonie sein kann?
Frau Direktorin Moser sagte:
Um Direktorin der Diakonie ist Österreich werden zu können,
muss man Pfarrer oder Pfarrerin sein.
Das Diakoniewerk und andere Mitglieder der Diakonie Österreich
können Kandidaten und Kandidatinnen nominieren.
Das heißt, sie sagen: Wir glauben, dukannst das.
Willst du zum Bewerbungsgespräch kommen?
Dann macht man das Bewerbungsgespräch.
Und dann wählt derDiakonische Rat.
Eine Amtsperiode dauert sechs Jahre.
Man kann wieder gewählt werden.

Frage von Frau Vatier:
Gefällt ihnen ihre Arbeit als Direktorin?
Wie schaut ihr Tagesablauf aus?
Haben Sie Zeit für sich persönlich?

Frau Direktorin Moser sagte:
Ich habe keinen fixen Tagesablauf.
Jeden Tag ist anders. Das gefällt mir sehr gut.
Die meiste Zeit verbringe ich damit, mit anderen zu reden.
Ich rede mit den Mitarbeiterinnen in meinem Team in der Diakonie Österreich,
mit Journalisten und Journalistinnen,
mit Politikern und Politikerinnen,
mit Leuten von anderen
Sozialorganisationen wie z.B. der Caritas oder dem roten Kreuz.

Ich besuche auch Einrichtungen der Diakonie.
Ich rede mit Klienten und Klientinnen und Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern von Werkstätten oder Wohngemeinschaften.
Das macht mir besonders viel Spaß.
Da erlebe ich, welche tollen Leute bei der Diakonie sind.
Das macht mir Hoffnung.

Frage von Frau Vatier:
Werden sie in der Öffentlichkeit erkannt?

Frau Direktorin Moser sagte:
Wenn gerade ein Interview im Fernsehen war,
schauen mich manchmal Leute auf der Straße oder im Supermarkt länger an.
Ich glaube, dann denken sie sich: Die kenne ich von irgendwoher …
aber ich glaube, meinen Namen wissen sie nicht.
Leute, die viel mit der Diakonie zu tun haben oder
die Diakonie gut finden, erkennen mich schon.

Frage von Frau Vatier:
Wie viele Menschen mit Beeinträchtigung stehen aktuell in
Österreich auf der Warteliste für einen Wohn-oder Arbeitsplatz?
Sind Wohn-und Arbeitsplätze auch in den nächsten Jahren
gesichert?

Frau Direktorin Moser sagte:
Ich weiß leider keine Zahlen.
Aber ich weiß, dass Menschen mit Beeinträchtigung auf Plätze warten.
Manche haben noch keinen Platz.
Andere warten auf einen Platz, der besser zu ihren Bedürfnissen passt.
Sie wollen z.B. selbständig wohnen.
Oder sie wünschen sich einen Arbeitsplatz in einem Betrieb.
Die Diakonie bemüht sich sehr, für jeden das passende Angebot zu finden.

Das Hauptproblem ist die Qualität der Wohn – und Arbeitsplätze.
Gibt es genug Wohn – und Arbeitsplätze, die so sind,
wie es sich Menschen mit Beeinträchtigung wünschen?
Können Selbstbestimmung und Inklusion genug gefördert werden?
Gibt es genug Wohn- und Arbeitsplätze, wo Menschen mit Beeinträchtigung,
die Unterstützung bekommen, die sie brauchen?
Die Qualität ist durch Einsparungen gefährdet.

Frage von Frau Eder:
Ich bin bereits für einen Wohnplatz angemeldet.
Meine Eltern sind Pensionisten, können aber noch für mich sorgen.
Ich brauche Hilfe.
Was passiert mit mir, wenn es für meine Eltern zu anstrengend wird?

Frau Direktorin Moser sagte:
Das Diakoniewerk wird einen Wohnplatz für Sie finden.
Das ist nicht leicht.
Vielleicht dauert es ein bisschen.
Aber die Diakonie lässt niemanden alleine.

Frage vom Känguru – Team:
Wir machen uns auch Gedanken, wer sorgt für unsere Eltern,
wenn sie im Alter Hilfe benötigen?

Frau Direktorin Moser sagte:
Das verstehe ich gut. Das ist eine große Sorge.
Viele Menschen haben diese Sorge.
Sie können sich aus ganz verschiedenen Gründen nicht um die Eltern kümmern,
wenn die Eltern im Alter Hilfe brauchen.
Zum Beispiel weil sie in einer anderen Stadt wohnen.
Die Diakonie ist auch da für Menschen im Alter.

Frage von Frau Wasner:
Denken Sie, dass es in den nächsten Jahren
mehr Integrative Beschäftigungen geben wird?

Frau Direktorin Moser sagte:
Ich hoffe das sehr.
Die Wirtschaft entwickelt sich gut.
Die Arbeitslosigkeit sinkt.
In dieser Situation müssen sich die Betriebe
um integrative Beschäftigung kümmern.

Frage von Frau Eder:
Ich habe eine Persönliche Assistenz,
dadurch bin ich im Alltag selbstständiger geworden.
Nicht jeder hat einen Anspruch auf eine persönliche Assistenz.
Wird es in den nächsten Jahren für Menschen in einer Wohn – Einrichtung
möglich sein eine Persönliche Assistenz zu bekommen?

Frau Direktorin Moser sagte:
Die Diakonie setzt sich dafür ein.
Ich hoffe, dass die Politiker uns zuhören.
Wir feiern heuer 10 Jahre UN – Behindertenrechtskonvention.
Menschen mit Einschränkungen haben Rechte.
Der Anspruch auf persönliche Assistenz gehört dazu.

Frage vom Känguru Team:
Wir sind in eine Integrations – Klasse gegangen.
Wir haben selbst die Erfahrung gemacht, dass unsere Schul – Kollegen
offener mit dem Thema Behinderung umgegangen sind,
als Schüler die nicht in eine Integrations – Klasse gegangen sind.
Wie können Kindergärten und Schulen und auch das Diakoniewerk
für ein besseres Verständnis sorgen?

Frau Direktorin Moser sagte:
Verständnis wächst immer im Alltag.
Menschen mit Beeinträchtigung und Menschen ohne Beeinträchtigung
müssen miteinander leben, reden, spielen, lernen.
Die Diakonie muss dafür sorgen, dass das ganz normal wird.

Frage vom Känguru Team:
Leider entscheiden sich immer noch viele Menschen
gegen ein Kind mit Beeinträchtigung!
Hilft das Diakoniewerk Eltern, die ein beeinträchtigtes Kind erwarten?

Frau Direktorin Moser sagte:
Ja. Es gibt Beratung für Eltern,
die ein Kind mit Beeinträchtigung erwarten,
im Diakoniezentrum Spattstraße.
Leider kommen nicht viele Eltern zur Beratung.
Die Eltern erleben großen Druck.
Sie müssen sich schnell entscheiden.
Beratung braucht Zeit.
Ich finde das sehr schlimm.

Frage vom Känguru Team:
Die Pflege im Alter ist ein wichtiges Thema für Sie?
Der Einsatz von Robotern wird diskutiert und
wahrscheinlich in den nächsten Jahren umgesetzt.
Was denken Sie darüber?

Frau Direktorin Moser sagte:
Roboter können helfen.
Sie können schwere Tätigkeiten übernehmen.
Zum Beispiel können Sie Menschen heben. Das ist gut.
Dann bleibt den Mitarbeiterinnen in der Pflege mehr Zeit,
um den alten Menschen zu sprechen.
Die Gefahr ist, dass Roboter Menschen in der Pflege ersetzen.
Das darf nicht passieren.

Frage vom Känguru Team:
Wie denken Sie über die Umsetzung der UN – Konvention in
Österreich?

Frau Direktorin Moser sagte:
In den letzten Jahren ist viel besser geworden.
Zum Beispiel sind jetzt viele öffentliche Gebäude barrierefrei.
Aber es ist auch noch viel zu tun.
Zum Beispiel müssen mehr integrative Arbeitsplätze geschaffen
werden.

Frage vom Känguru Team:
Es wird in den Medien über die Einsparungen im Sozialbereich
berichtet. Wie sehr ist das Diakoniewerk betroffen?

Frau Direktorin Moser sagte:
Von den Einsparungen sind alle Sozialeinrichtungen gleich betroffen.
Auch das Diakoniewerk.
Genaueres können Ihnen die Verantwortlichen im Diakoniewerk sagen.

Frage von Frau Unterweger:
Bei Interviews im Radio und Fernsehen antworten Sie sehr
überlegt und bleiben auch bei schwierigen Fragen gelassen.
Ist das
weil sie davor als Reporterin tätig waren?

Frau Direktorin Moser sagte:
Nein. Ich bleibe gelassen, weil ich Pfarrerin bin.
Die Bibel sagt: Jeder Mensch ist wertvoll,
und alle Menschen sind gleich viel wert.
Das will ich weiter sagen im Radio und im Fernsehen.
Ich spüre den Heiligen Geist beim Reden.
Er hilft mir. Darum kann ich gelassen bleiben.

Frage vom Känguru Team:
Was sind ihre persönlichen Anliegen in ihrer neuen Arbeit?

Frau Direktorin Moser sagte:
Jeder Mensch soll erleben:
Ich bin wertvoll.
Das ist mein allergrößtes persönliches Anliegen.