Interview mit Pizzera und Jaus

Ihr macht seit 2015 gemeinsam Musik.
Warum habt ihr das Gefühl gehabt,
dass ihr zusammen passt?

Wir waren uns privat und beruflich sehr sympathisch.
Wir haben uns in Leoben bei einem Auftritt,
in einer Pause kennen gelernt.
Wir sind sehr nervös gewesen.
Bisher sind wir nur alleine aufgetreten und finden es gut
dass wir jetzt zu zweit auf der Bühne sind.
Der ganze Druck liegt nicht mehr auf einem alleine.

Ihr seid im kommenden Jahr fast durchgehend mit Auftritten unterwegs. Habt ihr noch Zeit für Soloauftritte oder tretet ihr nur mehr gemeinsam auf?

Ja, das stimmt!
Von September 2017 – Juni 2018 stehen wir 130 – mal auf der Bühne.
Wir treten jetzt nur noch als Pizzera  und Jaus auf.
Wenn wir gemeinsam unterwegs sind,
machen wir keine Einzel- Aufritte.
Wir können uns auf eine Sache besser konzentrieren und
haben mehr Zeit um unsere Lieder und Texte zu schreiben.

Im Juni spielen wir zwei Konzerte mit der ganzen Band.
Auf der Donau – Insel in Wien und am Red Bull Ring in Spielberg.
Das sind andere Auftritte, da wird richtig laut Musik gemacht.

Frage an Otto Jaus:

Hast du auch noch andere Auftritte an der Oper oder
konzentrierst du dich nur auf Pizzera und Jaus?

Willst du wieder Opern oder Musiclsingen oder nur als 
„Pizzera und Jaus“ auftreten?

Momentan konzentriere ich mich nur auf Pizzera und Jaus
und habe alle anderen Termine abgesagt.

Sollte ich die Anfrage an der Wiener Volksoper
für eine wirklich spannende Rolle erhalten,
werde ich mir das überlegen.

Ihr habt mit euren Liedern auf You Tube begonnen.
Bekommt ihr dafür auch Geld oder nur für Auftritte und für  den CD Verkauf?

Hauptsächlich leben wir von den Auftritten
und wenn unsere Lieder gespielt werden.
Im Internet hängt es davon ab,
wie oft ein Musiktitel angehört wird.
Wird der Titel oft angehört und bekommt viele Klicks,
fragt eine Firma, ob sie am Anfang ihre Werbung abspielen darf.
Für diese Werbeeinschaltung bekommen wir Geld.

Wer von euch komponiert die Lieder und wer schreibt die
Texte? Wo textet ihr eure Lieder?

Wir teilen uns die Arbeit auf.
Es ist einer der schönsten Momente,
wenn wir gemeinsam musizieren und
an neuen Liedern arbeiten.

Fällt einem von uns ein Text oder eine Melodie ein,
wenn wir bei unseren Familien sind,
schicken wir uns die Idee mit dem Handy.

Wo probt ihr gemeinsam?
Müsst ihr noch jeden Tag
proben?

Wir haben maximal 2 Tage in der Woche frei.
Wenn wir Konzerte haben,
bleibt uns tagsüber genug Zeit zum Proben.

Frage an Otto: Du hast bei deinem Stipendium in London
Boddy Mc Ferrin und Hermann van Veen kennen gelernt.
Wie hast du die Beiden erlebt?
Es sind beides Stimmkünstler. Wie haben sie dich
beeinflusst, was hast du dir davon mitgenommen?

Es war nicht in London,
es war in Wien am Konservatorium.
Bei einer Lehrveranstaltung habe ich
Bobby Mc Ferrin und Hermann Van Veen kennengelernt.
Wir haben uns Hermann Van Veen bei einem Auftritt angesehen.
Wir waren fasziniert,
er macht wunderbare Lieder und wunderbare Komik.
Es sind beides Stimmkünstler.
Man kann wirklich noch etwas von ihnen lernen.
Es war viel zu wenig Zeit mit ihnen.

Geht ihr beruflich noch anderen Tätigkeiten nach?

Nein, wie gehen beruflich keiner anderen Tätigkeit nach.
Wir machen nur mehr Musik.

Frage an Otto: Hast du wirklich die Stimme von Pezi und von Tintifax gesprochen?  Viele Kinder kennen dann deine  Stimme?

Nein, das war ein Stück das ich im Kabarett Simpel gespielt habe.
„Krawuzi Kapuzi“ hat es 30 Jahre später geheißen.

Paul: Du hast dir alles selbst beigebracht?
Es gefällt uns sehr,
dass du so erfolgreich bist!
Ist es weil du mit so viel Herz
  dabei bist?

Ja ich habe mir alles selbst beigebracht.
Ich versuche einfach mit sehr viel Leidenschaft aufzutreten.
Musik ist mein Interesse.
Man muss etwas oft und viel und gern machen,
um erfolgreich zu sein.

Wolltet ihr schon immer Musikkariere machen?

Otto Jaus sagte: Ja ich konnte mir nichts anderes vorstellen.
Jetzt denke ich anders ich lass mich überraschen was passiert.
Aber Musik wird immer ein großer Bestandteil meines Lebens sein.
Paul Pizzera wünschte sich immer  mit einem Lied auf die Bravohits zu kommen.
Jetzt hat er es geschafft.

Wie groß ist euer Team im Hintergrund?

Das Team im Hintergrund ist klein.
Es sind fünf Leute.
Auf Tour sind drei Leute mit.
Sie organisieren die Tontechnik, die Lichttechnik und das Konzert vor Ort.
Wenn wir zuhause sind, gibt es noch Julia Sobizek.
Sie ist für die gesamte Organisation zuständig
und Thomas macht die Arbeiten im Hintergrund.

Habt ihr Lieblingsthemen im Kabarett und bei euren Texten?  Wollt ihr Unterhaltung machen oder eher Lieder schreiben über die man nachdenken muss?

Es ist von allem etwas.
Wir machen Kabarett über Themen die uns beschäftigen und über die wir reden.
Vieles haben wir selber erlebt.
Natürlich ist alles etwas übertrieben.
Bei den Liedern ist es das Gleiche, wir machen Musik dazu.
Die Leute können sich hineinfühlen.

Wir haben gelesen dass du Zivildienst gemacht hast?
Hast du im Behinderten Bereich gearbeitet?

Den Zivildienst selber habe ich in einem Seniorenwohnheim gemacht.
Später habe ich bei der Sole
mit zwei beeinträchtigten Jungen als Freizeitassistent gearbeitet.
Auch in der Volksschule ging ich in eine Integrationsklasse.
Das war für mich immer normal, ich bin dafür sehr dankbar.
Man bekommt sehr viel soziale Intelligenz entgegen
und selbst lernt man auch mit Beeinträchtigung umzugehen.

Habt ihr in eurem Bekanntenkreis Menschen mit Beeinträchtigung?

Paul hat noch guten Kontakt zu seinem letzten Betreuungskind,
der Junge kommt auch regelmäßig zu den Auftritten.
Ein weiblicher Fan von Otto, sitz im Rollstuhl
und kommt auch öfters zuschauen mit ihren Freundinnen.

Findet ihr das Menschen mit besonderen Bedürfnissen in der Gesellschaft gut aufgenommen werden? Habt ihr das Gefühl das sich in den letzten Jahren etwas zum Besseren gewendet hat?

Man nimmt wahr, dass mehrere Betriebe
Menschen mit Beeinträchtigung beschäftigen,
es ist auf jeden Fall wünschenswert.
Auf Facebook sieht man viele Projekte.
Man hat den Eindruck das Beeinträchtigten einfach mehr zugetraut wird
und die Wege in den normalen Arbeitsalltag immer öfter stattfinden.
Wir können es nur nach ihrem Empfinden beurteilen.
Man nimmt wahr, dass die Gesellschafft die Veränderung annimmt.
Das Vieles möglich ist, wenn man eine Beeinträchtigung hat, sagt Otto Jaus.

Würdet ihr auch ein kritisch lustiges Lied über Menschen mit Beeinträchtigung machen, oder ein Video drehen?

Ein Video auf jeden Fall.
Für ein Lied ist es schwierig die richtigen Worte zu finden,
ohne jemanden damit zu beleidigen.
Eine Freundin im Rollstuhl hat mich auch schon aufgefordert,
ein lustiges Lied zu schreiben.
Wir machen sehr oft Scherze über die Probleme als Rollstuhlfahrer,
wenn wir zu Zweit sind, sagt Otto.

Werdet Ihr auf der Straße angesprochen oder erkannt?
Wie ist es für euch berühmt zu sein?

Es hängt von der eigenen Tagesverfassung ab,
ob man sich freut oder ärgert, dass man erkannt wird.
Otto sagt, in Wien erkennt ihn ganz selten jemand.
In seiner Ortschaft erkennt ihn jeder.
Bei jedem Familienfest wird man auf den Erfolg angesprochen.
Es ärgert einen öfters, dass man keine Ruhe hat.

Habt ihr auch Zeit für eure Familie? Geht eure Familie anders mit euch um?
Wird eure Familie auf euren derzeitigen Erfolg angesprochen?

Ja sie werden angesprochen.
Pauls Mutter mag es nicht.
Aber sie ist trotzdem stolz und freut sich über seinen Erfolg.
Ja, die Familie wird auf die Erfolge angesprochen.
Ottos Mutter hasst es und kann es nicht mehr hören,
wenn ihr am Friedhof jemand erzählt,
dass ihr Sohn im Fernsehen gesehen wurde.

Unsere Familie behandelt uns nicht anders als vorher.
Die Menschen, die immer schon für dich da waren,
die sind immer noch da und denen sollte man vertrauen.

Das einzige was sich ändert ist, dass die Eltern auch verstehen müssen,
dass wir auch einmal unsere Ruhe haben wollen.